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Fiat 500 N (nuova 500) – 1957 bis 1960

Im Juli 1957 war es soweit. Der in den Jahren zuvor seit 1954 entwickelte "Nouva Cinquecento" - später auch oft als Fiat 500 N bezeichnet - wird der Öffentlichkeit vorgestellt.

Es war ein Auto für Jedermann, so wie es der ursprüngliche Gedanke eines Fiat 500 verlangte. Ohne überflüssigen Schnickschnack und mit wenig Chromzierrat ausgestattet, vereinte er doch alles, was eine kleine Familie brauchte und leisten konnte. Zu einem Preis von 3000 CHF bekam man immerhin ein komplettes Auto. Zwar gab es hinten noch keine Sitzbank, sondern lediglich eine mit Teppich ausgekleidete Stufe, dennoch hatte man Sitzmöglichkeiten für bis zu vier Personen. Auch gab es keine Tankuhr und die Seitenfenster besaßen keinerlei Kurbeln, sodass diese starr und fest saßen. Lediglich die beiden Seitenausstellfenster und das lange bis zum Heck reichende Faltdach sorgten für ausreichende Frischluft im Fiat 500 Economica.

Wollte man etwas mehr Luxus musste man "tief" in die Tasche greifen. Für rund 25.000 Lire mehr bekam man aber auch Einiges geboten. Man bekam normale Radkappen, eine Rücksitzbank, Kurbelfenster, Scheinwerfer mit Chromzierrand sowie satte 16,5 PS anstatt 13 PS. Was wollte man mehr?

Ganz klar: Man wollte noch mehr Leistung. Und so gesellte sich im Jahre 1958 der Fiat 500 Sport zur Modellfamilie. Mit gigantischen 21,5 PS schaffte es der Kleine locker auf 105 km/h.

Der Sport hatte außerdem am Anfang ein Ganzstahldach zur Karosserieversteifung anstatt des Faltdaches und war ausschließlich komplett weiß lackiert mit einem roten Seitenstreifen. Erst ein Jahr später gab es ihn dann auch mit kleinem Klappdach, welches ab dann auch in den anderen Modellen verbaut wurde.

Außerdem gab es 1959 weitere kleine Veränderungen in der Optik, was man heute wohl als Facelift bezeichnen würde. So wichen die Luftschlitze den Standleuchten / Blinkern. Die Seitenblinker wurden von Tropfenform in runde Blinker umgewandelt. Damit ähnelte der Fiat 500 N sehr seinem 1960 folgenden Bruder, dem Fiat 500 D.

Von 1957 bis 1960 wurden vom N 181.078 Exemplare gebaut.

Fiat 500 D - 1960 bis 1965

Im September 1960 hauchte man dem Motor des Fiat 500 etwas mehr Power ein. Da die Motorversion des Sport den Fiat-Ingenieuren anscheinend etwas zu heftig erschien, der Motor des 500 N aber zu schwach auf der Brust, drosselte man kurzerhand den Sport-Motor von 21,5 PS auf 17,5 PS.

Form und Aussehen entsprachen ebenfalls den letzten Modellen der N-Serie. Zusätzlich erhielt der Fiat 500 D einige Details, die in heutigen Fahrzeugen als selbstverständlich gelten. Es gab nun automatisch rückstellende Scheibenwischer. Am Armaturenbrett befand sich außerdem ein Gummiball, mit dem man durch Unterdruck eine Art Scheibenwischanlage in Gang setzen konnte. Der Innenrückspiegel verfügte über eine Leseleuchte, es gab Kontrollleuchten für Blinker und Fahrlicht. Der Preis für ein solch prächtiges Fahrzeug lag dabei sogar noch unter dem Preis des Fiat 500 N von 1957. Für nur 2000 CHF konnte man stolzer Besitzer eines kleinen Stadtflitzers werden!

Für denjenigen, der etwas mehr Platz brauchte, bot Fiat zusätzlich noch eine Kombiversion an. Die Fiat 500 Giardiniera oder Familiare genannte Version des Fiat 500 war 3,182 m lang (Limousine: 2,97 m) und verfügte anstelle des am Heck liegenden Motordeckels über eine Tür, die Zugang zum inneren Laderaum verschaffte. Der Motor indes war um 90° zur Seite geneigt worden und als Unterflurmotor verbaut worden; er war über eine große Klappe im Laderaum zugänglich. Ein echter Kombi.

Der D wurde von 1960 bis 1965 gebaut und in einer Stückzahl von 640.520 gebaut. Der Kombi wurde von 1960 bis 1977 gebaut und mit einer Stückzahl von 170.000 aufgelegt. 

Fiat 500 F - 1965 bis 1972

Die Technik schritt voran und die Ingenieure mussten sich erneut Änderungen an der "Knutschkugel" einfallen lassen. Diese sind äußerlich auch für den Laien sofort erkennbar, sodass es ein leichtes ist, die Modelle vor 1965 von den späteren zu unterscheiden.

So wurde als gravierendstes Merkmal der Anschlag der Türen geändert. Die zuvor stets verbauten "Selbstmördertüren" wichen den heute üblichen Türanschlägen, aufgrund neuer gesetzlicher Sicherheitsbestimmungen. Ab sofort öffnete man daher im 500er die Türen nicht mehr nach hinten, sondern nach vorne! Dies verlangte natürlich auch nach einer Änderung der Karosserie und ist insbesondere in der neuen Dachkontruktion zu sehen. War zuvor nämlich das Dach nur aufgesetzt (was viele Kurzdachbesitzer dazu nutzen, das Auto auf ein langes Faltdach umzubauen), so war es ab sofort fest mit dem Rest des Fahrzeuges verbunden.

Außerdem bekam der F eine größere Frontscheibe, und die Türen erhielten im Innenraum Druckknöpfe zum Abschließen des Fahrzeuges. Weiterhin wurde am Material gespart. Statt Ablagekästen aus Blech verwendete man nun billigeres Plastik. Auch die Nummernschildbeleuchtung wurde nicht mehr aus Aluminium hergestellt sondern durch Plastik ersetzt. Im Gegenzug wurde dafür die Tankgröße geändert und leichte Korrekturen am Armaturenbrett vorgenommen.

Wolte man mehr Luxus, musste man tiefer in die Tasche greifen...

Fiat 500 L (Luxus) – 1965 bis 1972

Von der Motorisierung identisch zum Fiat 500 F bot Fiat ab 1968 die Luxus Version für Kunden an, die bereit waren, rund 200 CHF mehr zu berappen.

Dafür bekam der solvente Fahrer aber auch einiges geboten, was den Fiat zumindest für damalige Maßstäbe optisch aufwertete. So erhielt man jede Menge an Chromzierrat. Die Regenrinnen waren mit Chromleisten überzogen, ebenso die Frontscheibendichtungen und um die Heckscheibe. An den Stoßstangen prangten mächtige Chrombügel, die auch als zusätzlichen Schutz dienten. Das Frontblech war mit einem neuartigen eleganten Fiat Logo versehen und hatte nicht mehr die beiden seitlich rausstehenden Flügel.

Doch auch im Innenraum tat sich Einiges. Das Armaturenbrett bestand nicht mehr aus blankem, lediglich lackiertem Metall. Der L besaß ein für damalige Verhältnisse modernes Plastikarmaturenbrett und anstatt des runden Tachos einen Breitbandtacho aus dem Fiat 850. Das Lenkrad war zudem sportlicher gestaltet und das Auto mit Teppichboden ausgestattet.

Immerhin führte die Luxusversion zu einem kräftigen Umsatzplus bei Fiat. In den Jahre 1965 bis 1972 wurden von den Modellen F und L 2.272.092 Fahrzeuge gebaut.

Fiat 500 R (rinovata)- 1973 bis 1975

1973 erblickte der Fiat 126 als Nachfolger des Fiat 500 das Licht der Welt und sollte langsam aber sicher das Ende seines Vorfahren einläuten.

Doch bevor man ihm den endgültigen Todesstoß gab, legte man eine letzte Serie bei Fiat auf: den Fiat 500 R. Äußerlich gab es kaum Unterschiede zu seinen unmittelbaren Vorgängermodellen F und L. Die Karosserie entsprach fast exakt der des Fiat 500 F. Es gab keinen Chromschmuck mehr wie beim L und die Innenrauminstrumente präsentierten sich in metallischer Form wie beim F. Lediglich die bisher verwendeten Frontlogos wurden ersetzt durch einen neuen Fiat-Schriftzug.

Die wesentliche Änderung fand sich unter der Motorhaube wieder. Unter der "alten" Karosse verrichtete nämlich von nun an der 600 ccm Motor seine Dienste, der mehr Fahrspaß versprechen sollte. Dennoch war man nur unwesentlich zügiger unterwegs, denn das R steht für rinnovata und nicht für racing!

Doch auch das konnte das Ende eines damals veralteten, runden Autos (eckige waren angesagter) nicht verhindern.

1975 wurde die Produktion des 500 R nach 235.744 Exemplaren eingestellt. Der letzte Fiat 500 aber - ein Giardiniera - lief schließlich 1976 vom Band.

Insgesamt wurden damit in den Jahren 1957 bis 1976 3.702.078 Fiat 500 gebaut (inkl. hier nicht erwähnte Sondermodelle wie z.B. Abarth 595 SS).

Der Fiat 500 war tot, lebte aber in den Herzen der Fans weiter.

Die neuen 500er

1992 wagte Fiat einen erneuten Versuch, einen Fiat 500, der weltweit mit der italienischen Bezeichung "Fiat Cinquecento" verkauft wurde, zu etablieren.

Den Cinquecento konnte man natürlich nicht mit dem historischen Kultgefährt vergleichen. Er war ein modernes Fahrzeug mit moderner Technik. Der Motor befand sich dort, wo heutige Motoren meist anzufinden sind, nämlich vorne. Der Hinterradantrieb war Geschichte und auch von der Leistung her brachte der Cinquecento einigermaßen angenehme Fahrwerte.

Der Grundgedanke war jedoch gleich. Ein kleines Fahrzeug zu erschaffen, das ideal für den Stadtverkehr war, sparsam und zugleich auch kostengünstig. Der Cinquecento wurde von Fiat bis 1998 produziert und anschließend durch den Seicento (600) abgelöst.

Im Jahr 2003 stellte Fiat dann ein Concept Car vor, das auf der Retro Welle schwamm und ähnlich wie beim New Mini großen Absatz finden soll. Der Fiat ist in meinen Augen eine tolle Kombination aus alt und neu und viele Elemente des alten 500ers finden sich in ihm wieder. So weist die Fahrzeuglinie doch erstaunliche Ähnlichkeit zum Urahn auf. Die Motorhaube wirkt genauso aufgesetzt wie früher der Kofferraumdeckel, das Frontblech ist steil aufgestellt, Lampen und vordere Begrenzungsleuchten identisch angebracht. Auch die Chromstoßstange verleiht dem Fahrzeug das typische Aussehen eines 500ers.

Leider war man hier nicht mutig genug und überarbeitete das Design. Dies tat der Optik des Fahrzeuges leider nicht so gut. Das Frontlogo wurde der historischen Form angepasst (Fiat Logo mit zwei Flügeln) und die Lampen wurden schräg angesetzt. Auch die Seitenlinie wurde verändert. Dadurch erinnert das Fahrzeug nicht mehr so sehr an einen Fiat 500, sondern mehr an eine Mutation aus VW Lupo und Nissan Micra. Das Fahrzeug mit dem neuen Namen "Fiat Trepiuno" - der Name kommt aus dem italienischen "tre piu uno" = "drei plus eins" sollte zuerst ab 2006 in Serie gehen.

Doch dann kam Ende Februar 2005 diese Nachricht:

"Trubel und Trauer auch bei Fiat: Auto-Chef Demel ist entlassen, die Firma hat angeblich neun Milliarden Euro Schulden und wenig Attraktives im Köcher. Und der Zwang zu sparen hat ein sympathisches Projekt gekippt: Der Trepiùno, eine moderne Interpretation des 500er und in Genf 2004 umjubelter Messestar, wird endgültig (doch) nicht gebaut. Unterhalb des Panda will Fiat kein Modell anbieten, zudem fehlt dem Projekt nach der Firmen-Scheidung von GM die gemeinsame Plattform mit dem Opel Trixx. Deshalb rechne sich der Trepiùno nicht mehr." Quelle: www.autobild.de.

Am 08. September 2005 ließ man die Fangemeinde des 500ers aber erneut Hoffnung schöpfen. Man arbeite zusammen mit Ford an einer gemeinsamen Fahrzeugplatform, hieß es von Fiat. Ford werde einen neuen Ka entwickeln und Fiat einen neuen 500er.

Dieser wurde am 04. Juli 2007, also exakt 50 Jahre nach der Vorstellung des legendären Nouva 500, in Turin präsentiert.

Ob der neue ähnlich erfolgreich sein wird, soll sich noch zeigen. Die Anfangstage verliefen zumindest recht viel versprechend.

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